Gucci – nicht nur Modeinteressierte kennen diesen Namen und verbinden ihn mit Glanz, Glamour und Luxus. Doch hinter dem Funkeln des GG-Logos verbirgt sich eine verstrickte Familiengeschichte, die durch verschiedenste (Rechts-)Streitigkeiten vielmals für Schlagzeilen sorgte und in einem Auftragsmord gipfelte. Das Opfer: Der 46-jährige Maurizio Gucci, Sohn des Schauspielers Rudolfo Gucci und Enkel des Firmengründers Guccio Gucci. Bis zu seinem Tod war Maurizio Gucci, der Rechtswissenschaften studierte, wichtiger Geschäftsmann im Hause Gucci und Shootingstar der Glamourwelt.
Doch der Reihe nach: Maurizio Gucci wurde am 26. September 1948 geboren. Seine Eltern waren beide Schauspieler:innen und sein Großvater war der Gucci-Gründer Guccio Gucci. Das italienische Luxus-Modeunternehmen ist mittlerweile weltweit bekannt, im Jahr 2019 erzielte es einen Top-Umsatz von mehr als 9,5 Milliarden Euro – dabei hatte es 1921 seinen Start als kleine Werkstatt für Lederwaren in Florenz. Doch der gelernte Sattlermeister Guccio Gucci führte die Marke schnell mit luxuriösen Handtaschen voran, nach seinem Tod im Jahr 1953 expandierte die Marke bereits weltweit.
Zu diesem Zeitpunkt ist Maurizio Gucci ein kleiner Junge, der seine Kindheit in Florenz verbrachte. 1972 zog er nach New York City, um dort mit seinem Onkel Aldo Gucci für das Familienunternehmen zu arbeiten. Doch die Zeiten sind schwerer geworden: Durch (aufsehenerregende) Familienstreitigkeiten der Guccis, in denen es vornehmlich um Geld ging, folgte ein Verfall der Marke. 1982 zog Maurizio Gucci daher zurück nach Mailand, 1983 erbte er das Gucci-Markenimperium als größter Anteilseigner und war in der Geschäftsleitung tätig. Sein nächster Wohnort sollte 1986 in der Schweiz liegen, nachdem vorher ein weiterer immenser Rechtsstreit zwischen ihm und seinem Onkel entstand: Aldo Gucci beschuldigte Maurizio Gucci, Unterschriften seines verstorbenen Vaters gefälscht zu haben, um Steuern zu vermeiden. Doch später wurde er in allen Punkten für nicht schuldig befunden.
1989 wurde Maurizio Gucci CEO des Gucci-Konzerns. 50 Prozent des Unternehmens wurden an ein Investmentunternehmen verkauft, gleichzeitig wurde erstmals ein Nicht-Mitglied der Gucci Familie (Dawn Mello) zur Chef-Designerin ernannt. Im Jahr 1993 verkaufte Maurizio Gucci die übrigen 50 Prozent an das Investmentunternehmen. Zwei Jahre später wurde Maurizio Gucci auf offener Straße erschossen.
Wer aber nun denkt, dies würde unmittelbar mit dem „Business“ zusammenhängen, der irrt. Wobei: Bei den Guccis war Privates und Geschäftliches nur sehr schwer zu trennen – so wahrscheinlich auch der Auftragsmord, den seine Ex-Frau Patrizia Reggiani veranlasst haben soll. Doch auch hier nochmal: Alles der Reihe nach.
1972 heiratete Maurizio Gucci Patrizia Reggiani, die aus bescheidenen Verhältnissen stammte und mit der er zwei Töchter hatte. Die beiden lernten sich auf einer Uni-Party kennen, als Maurizio Gucci Rechtswissenschaften studierte. Sein Vater sprach sich gegen die Ehe der beiden aus, da er Reggiani für geldsüchtig hielt, doch das änderte nichts daran, dass die Ehe rund 13 Jahre hielt. Sie galten als eines der Top-Paare der Modewelt. Während dieser Zeit brachte sich Reggiani immer mehr in das Gucci-Imperium ein. Doch im Jahr 1985 sollte Schluss mit der Beziehung sein: Maurizio Gucci sagte Reggiani, dass er nur kurz geschäftlich nach Florenz müsse – am nächsten Tag schickte er jedoch einen Freund zu seiner Ehefrau, um ausrichten zu lassen, dass er nicht zurückkommen würde und die Ehe zu Ende sei. Es folgte eine jahrelange Scheidung, die von Streitigkeiten geprägt war. Begleitet wurde alles durch die Presse. Im Jahr 1994 war die Scheidung dann vollzogen.
Es war das Jahr 1995, in dem Maurizio Gucci sterben sollte. Am 27. März 1995 kam Maurizio Gucci wie jeden Tag in sein Büro in Mailand. Als er den Pförtner grüßte und die Treppe hinaufstieg, wurde er von drei Schüssen in den Rücken und einem vierten Schuss in den Kopf getroffen. Gucci ging zu Boden und starb in den Armen des Pförtners. Nach Ermittlungen wurde klar, dass er von einem Auftragsmörder erschossen wurde. Dabei soll es sich um einen verschuldeten Pizzeria-Besitzer gehandelt haben, der von Guccis Ex-Frau Reggiani beauftragt worden sei.
Der Mord an Gucci gilt als Skandal und führte zu einem der größten italienischen Medienprozesse, es gab mehrere Angeklagte. Reggiani hat nie zugegeben, den Mord in Auftrag gegeben zu haben, bestritt es aber auch nicht. Vielmehr brachte sie vor, von einer Hellseherin manipuliert worden zu sein – die anschließend tatsächlich zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde. Doch das Gericht war auch von Reggianis Schuld überzeugt. Sie wurde zu 29 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, nach erfolgreichem Rechtsmittel wurde die Strafe auf 26 Jahren reduziert. Insgesamt verbrachte Reggiani 18 Jahre im Gefängnis, bevor sie 2014 freigelassen wurde. Heute lebt sie in Mailand und ist von Zeit zu Zeit noch in der Öffentlichkeit. 2018 sagte sie in einem Interview über den Mord, den sie vielmehr als ein „Missverständnis“ bezeichnet:
„Wenn ich Maurizio heute treffen würde, würde ich ihn bitten, mir zu vergeben.“
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