Weihnachtskalender für Jurastudenten und Referendare - Türchen 15

Weihnachtskalender für Jurastudenten und Referendare - Türchen 15

 

?ES WEIHNACHTET SEHR?

 

Hinter unserem Türchen 15 des Weihnachtskalenders befindet sich wieder ein weiterer Tipp, um dem „Geheimnis der perfekten Klausur” einen großen Schritt näher zu kommen. Türchen 15 bildet dabei die Fortsetzung zu Türchen zwei (Phasen der Klausurbearbeitung), Türchen fünf (Auslegung von Gesetzen), also die Lösung eines unbekannten Sachverhalts nach den juristischen Regeln der Kunst und Türchen zehn (Die Analogie).

 

Klausuren richtig gliedern

Befindet man sich in Phase 2 „Lösungsskizze“ der Klausurbearbeitung, überlegt man, wie der Fall aufzuzäumen ist. Am besten strukturiert man den Fall nach bestimmten Gliederungsregeln. Auch in Phase 3, in der man die Lösungsskizze ausformuliert, empfiehlt es sich, diese Regeln einzuhalten, um dem Leser sichtbar zu machen, dass der Fall strukturiert ist.  

Übliche Gliederungsweise

Üblicherweise beginnt man die Gliederung mit großen Buchstaben wie „A“. Die zweite Gliederungsebene bricht man mit römischen Ziffern wie „I“ an, darauf folgend die arabischen Ziffern wie „1.“. Dann setzt man mit kleinen Buchstaben wie „a“ fort, wobei man hinter die Buchstaben eine runde Klammer oder einen Punkt setzen kann. Sollte es weitere Unterpunkte geben, bricht man doppelte kleine Buchstaben an wie „aa“. Zu beachten ist, dass alle Ebenen mit „b)“ bzw. „bb)“ fortgeführt werden. Als nächste Unterebenen ist an „(1)“ und „(a)“ sowie „(aa)“ und „(aaa)“ zu denken. Alternativ zu „(aaa)“ können die römischen Ziffern wie „(i)“ oder die griechischen Buchstaben wie „α“ genommen werden. Ist der Fall sehr verschachtelt, beispielsweise in einer vollstreckungsrechtlichen Klausur im Polizeirecht mit mehreren Inzidentprüfungen, hat man das Bedürfnis,  eine weitere Ebene aufzutun. Dies kann man tun, indem man vor die erste Ebene „A“ zusätzlich „1. Teil“ fügt. Umgekehrt kann man eine Klausur mit der Ebene „I.“ beginnen, wenn der Fall weniger Ebenen hat. 

Diese übliche Gliederung findet man in den meisten Darstellungen wieder. Bei erheblichen Abweichungen in der Klausur tun sich die meisten Korrektoren schwer, die Struktur nachzuvollziehen.  

Typische Fehler

Ein erster typischer Fehler ist der, dass gar keine Gliederung gewählt wird. D.h. dass man den Vorsatz fasst, durch sprachliche Indikatoren die Struktur transparent werden zu lassen. Weder bei der Erstellung der Lösungsskizze noch in der Schreibweise werden Gliederungsziffern gewählt. Vielmehr arbeitet man mit Worten wie „zunächst“, „des Weiteren“ und „schließlich“. Dies erzeugt aber eine gewisse Intransparenz und birgt die Gefahr, dass man durcheinander kommt. Zumindest zwingt man den Korrektor, alles lesen. Die meisten Korrektoren lesen aber quer, orientieren sich an den Überschriften und überlesen oft unproblematische Punkte. Ohne Gliederungspunkte muss der Korrektor sprachliche Schlüsselreize suchen, was für ihn einen Mehraufwand bedeutet. Damit empfiehlt sich eine Gliederung. 

Ein weiterer Fehler ist es, ohne Überschriften zu gliedern. Es gibt Kandidaten, die zwar wie beschrieben gliedern, aber es bei der Gliederungsziffer belassen und dann im Fließtext weiterschreiben. Sinnvoll ist es, sowohl die Ziffer als auch die Überschrift niederzuschreiben und dann in der nächsten Zeile mit dem Fließtext zu beginnen. Für mehr Ordnung und Transparenz sollten die Gliederungsziffern mit Überschriften versehen werden.

Als Fehler kommt auch die Benutzung einer unüblichen Gliederung in Betracht. Beispiel1: A würfelt die Ziffern durcheinander. Beispiel2: A benutzt andere, ungewohnte Gliederungssysteme, die unter Juristen auffällig sind wie „1.1“; „1.2“ (naturwissenschaftliche Gliederungsweise) etc. Der Korrektor kommt damit nicht zurecht und damit geht der Gliederungszweck verloren.

Weiterhin kann man sich „dumm und dämlich“ gliedern, d.h. die beschriebene Gliederung ist eine Maximalgliederung. Normalerweise muss man die Gliederungsebenen nicht allesamt ausschöpfen. Häufig sind viele Unterpunkte unproblematisch, sodass sie im Fließtext zusammengefasst werden können. Dann werden die Punkte in ganzen deutschen Sätzen ohne jegliche Gliederungsziffer und Überschrift aneinandergereiht. Bevor man zur kleinsten Ebene wie „(yyy)“ kommt, ist vielmehr daran zu überlegen, ob einzelne Ebenen durch sprachliche Gestaltung ausformuliert werden können, ohne neue Ebenen anzubrechen.

Zuletzt ist darauf hinzuweisen, dass derjenige, der „A sagt, auch B sagen“ muss. Häufiger Fehler in Klausuren ist, dass man die Ebene „A“ anbricht. Dann bemerkt man in der Prüfung, dass der Punkt unter „A“ verneint wird, und die Prüfung wird plötzlich abgebrochen. Das geht aber nicht. Vielmehr wird erwartet, dass man „B sagt“, wenn die angebrochene Ebene scheitert, und darunter das Ergebnis festhält und ausformuliert. Auf diese Weise vermeidet man ganz einfach eine offene Ebene.

 

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