Rechtsanwalt wegen Drogenhandels vor Gericht

Rechtsanwalt und Dealer

Ein 32-jähriger Volljurist aus Erding muss sich derzeit wegen Drogenhandels vor dem Landgericht Landshut verantworten. Am ersten Verhandlungstag hat er bereits gestanden, Kokain und Amphetamin im Wert von etwa 100.000€ verkauft zu haben.

 
Worum geht es?

In der Drogenszene nannte man ihn den „Anwalt meines Vertrauens”. Der 32-Jährige bekam diesen Namen, weil er tatsächlich als Rechtsanwalt in einer Münchner Kanzlei arbeitete. Nach Feierabend dealte er dann aber von zu Hause aus mit Kokain und Amphetamin. Ein Spitzel hatte die Kriminalpolizei über den Drogenhandel informiert, woraufhin eine monatelange Observierung folgte. Im Prozess am Landgericht Landshut wurde ihm nun der Kauf und Verkauf von Drogen im Wert von etwa 100.000€ vorgeworfen.
 
Codename „Champagner”

Nach monatelangen Ermittlungen und der Auswertung seines Smartphones konnte die Kripo den Drogenhandel weitestgehend rekonstruieren: Sein Drogenlieferant saß in Aachen und besorgte das Rauschgift aus den Niederlanden. Alle vier Wochen schickte er 20 bis 100g Kokain unter dem Codenamen „Champagner” in einem als Amazon-Lieferung getarnten Päckchen. Alle drei bis vier Monate wurde auf dieselbe Weise ein Kilo Amphetamin unter dem Codenamen „Speck” an die Adresse seiner Mutter versandt und in einer ausgehöhlten Packung Toastbrot verwahrt. Von seiner Wohnung aus verkaufte er dann in Erding und München die Drogen in kleinen Mengen. Bei einer Wohnungsdurchsuchung fand die Polizei bei der Mutter noch 25g Kokain und 28g Amphetamin. Zur Bezahlung seines Lieferanten schickte er Bargeld in Päckchen zurück nach Aachen.
 
Drogenkarriere mit 13

Bereits zu Beginn des Prozesses einigten sich Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht darauf, dass der 32-Jährige bei einem Geständnis zu nicht mehr als vier Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt werde. Sodann legte der Angeklagte ein vollumfassendes Geständnis ab und berichtete anschließend über seine persönlichen Verhältnisse und seine schwierige Vergangenheit: Mutter und Vater seien (oder waren) heroinabhängig und befinden sich in einem Substitutionsprgamm. Sowohl der Vater als auch der spätere Stiefvater seien durch ihre Drogensucht straffällig geworden und mussten für jeweils mehrere Jahre ins Gefängnis. So sei er bereits mit 13 Jahren das erste Mal mit Drogen in Kontakt gekommen - zunächst mit viel Alkohol und etwas Marihuana und ab dem 17. Lebensjahr konsumierte er Speed und Ecstasy. Als tragisches Fazit seiner Entwicklung zieht der Angeklagte den Schluss, dass „aus einem Kind von Drogensüchtigen nichts werden kann”. Er stehe vor den Scherben seines Lebens: Seine Freundin habe ihn verlassen, Wohnung und Job hat er verloren und auch die Zulassung als Rechtsanwalt werde er verlieren.
 
Bereits 8 Monate in U-Haft

Nach nun fast acht Monaten in Untersuchungshaft sei er psychisch fix und fertig. Er wolle jetzt aber wirklich einen Cut machen, die Chance einer Langzeittherapie nutzen und von den Drogen wegkommen. Der Vorsitzende Richter äußerte sich bereits dahingehend, dass es jetzt wichtig sei, dem Angeklagten auch eine Perspektive zu lassen.

Der 32-Jährige hatte nach dem Jurastudium übrigens sein Rechtsreferendariat unter anderem bei der Staatsanwaltschaft Landshut absolviert - die ihn nun angeklagt hat.

 

 

Quelle: Sueddeutsche