Das Wort Jura kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Rechte“. Vereinfacht gesagt kann man diese Rechte in drei Gebiete einteilen, die auch maßgeblich für die Einteilung Deines Studiums sind: Es gibt das Zivilrecht, das Öffentliche Recht und das Strafrecht. All Deine kommenden Leistungsnachweise stammen aus einem dieser Rechtsgebiete. Du wirst feststellen, dass jedes Rechtsgebiet seine Besonderheiten hat und einem bestimmten Schema folgen.

Im Zivilrecht geht es um das Verhältnis zwischen Privatpersonen (Bürgern), z.B. wenn ein Verkäufer an einen Kunden ein Auto verkauft. Wie beispielsweise ein solcher Verkauf zu Stande kommt oder was passiert, wenn das Auto defekte Bremsen hat, regelt das Zivilrecht, dessen wichtigste Regeln im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) stehen. Zuständig für solche Streitigkeiten ist die sogenannte Ordentliche Gerichtsbarkeit, also die Amtsgerichte, Landgerichte, Oberlandesgerichte sowie letztinstanzlich der BGH.

Das Zivilrecht besteht wiederum aus einer Vielzahl von Teilrechtsgebieten, z.B. Sachenrecht oder Erbrecht. Vielen dieser Teilrechtsgebiete wirst Du im Laufe Deines Studiums begegnen. Einige sind dabei absoluter Pflichtstoff, andere kannst Du im Rahmen Deines Wahlfaches vertiefen wie z.B. Arbeitsrecht.

Im Öffentlichen Recht geht es um das Verhältnis des Bürgers zum Staat, also wenn der Staat (z.B. in Form einer Behörde) ein Handeln von einer Privatperson verlangt oder aber Du als Bürger eine bestimmte Maßnahme vom Staat begehrst.

Beispiel: Eine Behörde lehnt den BAföG – Antrag eines Freundes von Dir ab. Dann stellt sich die Frage, ob die Behörde das durfte, also ob die Ablehnung rechtmäßig war, und was Dein Freund gegen die Ablehnung tun kann.

Antworten findest Du in verschiedenen Gesetzen, je nachdem wie der Staat tätig wird oder werden soll. So gibt es allgemeinere Gesetze (z.B. VwGO) und auch speziellere wie z.B. das Polizei- und Ordnungsrecht. Zuständig für die Klärung solcher Streitigkeiten sind die Verwaltungsgerichte.

Das Öffentliche Recht kann auch das reine staatliche Innenverhältnis betreffen. Das gilt z.B. für das Gebiet „Staatsorganisationsrecht“. Hierbei streiten meist staatliche Organe miteinander. Zuständig ist das Bundesverfassungsgericht.

Beispiel: Der Bundespräsident weigert sich, ein Gesetz zu unterschreiben, das der Bundestag zuvor erlassen hat. Darf der Bundespräsident das und was kann der Bundestag gegen die Weigerung tun?

Im Strafrecht geht es speziell darum, ob ein bestimmtes Verhalten staatlicherseits mit einer Strafe sanktioniert wird. Streng genommen ist das Strafrecht durch die Beteiligung des Staates in Form der anklagenden Staatsanwaltschaft auch beim Öffentlichen Recht anzusiedeln. Zuständig sind aber die sogenannten Ordentlichen Gerichte, die auch für Zivilsachen zuständig sind. Es handelt sich also um eine Mischform und wird daher als eigenständiges Rechtsgebiet betrachtet. Das Strafgesetzbuch (StGB) ist hier wichtigstes Gesetz.

Beispiel: A geht an einem Supermarkt vorbei und entwendet eine Banane. Hat A sich strafbar gemacht?

Weitere Details über den Inhalt der Vorlesungen im 1. Semester findest Du im nächsten Kapitel.