An den meisten Universitäten beginnen die Vorlesungen im Zivilrecht mit dem Allgemeinen Teil des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB AT).

Der Allgemeine Teil ist im 1. Buch des BGB geregelt und ist gewissermaßen „vor die Klammer gezogen“ (einige sagen auch „in der Luft aufgehängt“). Das bedeutet, dass die Regelungen, die Du im BGB AT findest, für alle vier nachfolgenden Bücher des BGB gelten, also z.B. auch für das Sachenrecht. Es sind also allgemeine Regeln, die Dir zu Beginn wahrscheinlich etwas „abstrakt“ vorkommen werden.

Die Regeln, die Du kennenlernen wirst, sind jedoch sehr wichtig für den weiteren Verlauf Deines Studiums, denn wie wir bereits gelernt haben, gelten sie für alle anderen Regelungen im BGB. Das macht auch Sinn: So gibt es beispielsweise eine Vielzahl an Verträgen (Kaufvertrag, Mietvertrag, usw.), die im BGB geregelt sind.

Das BGB AT stellt dabei Regelungen bereit, wie ein Vertrag grundsätzlich zu Stande kommt, sodass dies nicht für jeden Vertrag einzeln immer und immer wieder geregelt werden muss. Dir wird sicher einleuchten, dass für einen solchen Vertragsschluss irgendwie eine Einigung zwischen den Parteien des Vertrages herbeigeführt werden muss.

Du wirst Dich also zunächst damit beschäftigen müssen, welche Maßstäbe an die Kommunikation der beiden Parteien gesetzt werden müssen, damit eine solche Einigung zu Stande kommt. Dies wirst Du im Themenbereich Willenserklärungen behandeln.

Hierbei wirst Du auch erfahren, dass nicht jeder eine rechtlich bindende Erklärung abgeben kann (z.B. gibt es spezielle Regelungen für Minderjährige), dass über bestimmte Themen überhaupt kein Vertrag geschlossen werden darf (sogenannte Nichtigkeitsgründe, §§ 134, 138 BGB).

Und Du wirst lernen, was passiert, wenn sich jemand beim Vertragsschluss irrt und an dem Vertrag nicht mehr festhalten möchte.

Außerdem wirst Du folgende Themen behandeln: die Prüfungsreihenfolge der Anspruchsgrundlagen, der Anspruchsaufbau, die Stellvertretung, §§ 164 ff. BGB und die Verjährung, §§ 194 ff. BGB. Du siehst, die Themen, die im BGB AT angesiedelt sind, sind wichtig für das gesamte Studium und das Examen!

Im Öffentlichen Recht beginnen die Vorlesungen in der Regel mit dem Teilrechtsgebiet „Staatsorganisationsrecht“. Da geht es um den Staat und seine Organe, also um das staatliche Innenverhältnis (im Unterscheid zu dem Teilrechtsgebiet „Grundrechte“, wo es um das Verhältnis zwischen Bürger und Staat geht).

Typisches Beispiel für eine Frage aus diesem Bereich: Der Bundespräsident verweigert die Ausfertigung eines Gesetzes, das der Bundestag zuvor erlassen hat.

Darf er das und was kann der Bundestag gegen die Weigerung tun?

Die wichtigsten Regelungen zum Staatsorganisationsrecht findest Du im Grundgesetz, und zwar in den Art. 20-103 GG. Außerdem gibt es noch vereinzelte „Nebengesetze“, wie z.B. das Parteiengesetz. Kennzeichnend für das Staatsorganisationsrecht ist, dass es vergleichsweise wenige Vorschriften gibt. Und je weniger Vorschriften, desto mehr muss man aus ihnen machen.

Du wirst merken, dass es im Staatsorganisationsrecht insbesondere darauf ankommen wird, dass Du die Normen nach den Regeln der Kunst auslegst (siehe: Arbeit mit den Gesetzen). Üblicherweise werden folgende Themen behandelt:

der Staatsbegriff; die Staatszielbestimmungen, wie etwa das Demokratieprinzip; die obersten Bundesorgane (d.h. Bundestag, Bundesrat, Bundespräsident, Bundesregierung); die Staatsfunktionen (Gesetzgebung, Verwaltung, Rechtsprechung) und schließlich die Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht.

Die Vorlesungen im Strafrecht beginnen mit dem Allgemeinen Teil des Strafrechts („Strafrecht AT“). Hier werden noch nicht die einzelnen Delikte, wie z.B. der Diebstahl gem. § 242 StGB, im Detail behandelt. Es geht eher um allgemeine Lehren, die die Frage beantworten wollen, unter welchen allgemeinen Voraussetzungen, sich jemand strafbar macht.

In der Regel beginnt die Vorlesung mit dem sogenannten „vorsätzlichen vollendeten Begehungsdelikt“.

Beispiel: A erschießt absichtlich den B.

Von dieser Grundkonstellation ausgehend werden dann andere Deliktsformen besprochen:

Das fahrlässige Begehungsdelikt (z.B. fahrlässige Tötung, § 222 StGB); der Versuch (z.B. versuchter Totschlag, §§ 212, 22, 23 StGB) und schließlich das Unterlassungsdelikt (Beispiel: A unterlässt es, den B vor dem Ertrinken zu retten).

Eventuell werden gegen Ende des Semesters auch noch die sogenannte Beteiligungsformen durchgegangen, wie etwa die Mittäterschaft oder die Anstiftung. Für die meisten Kandidaten ist das Strafrecht am plastischsten, aber Vorsicht: Der Teufel steckt im Detail.

Viel Spaß bei Deinen ersten Vorlesungen!